Versteckte Diskriminierung durch Schufa-Zwang !!

Unser Mitglied Regina (Oldenburger-Land) hat sich schon an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin gewandt. Wir, der Bundesverband Graue Panther e.V., wissen: Regina ist kein Einzelfall im Lande und sind gespannt auf Ihre Zuschriften als Grundlage für eine Petition an die neue Regierung zur Abschaffung dieses Zwanges.

Zur Historie der „Deutschen Schufa“, unsere europäischen Nachbarn kennen keinen vergleichbaren Zwang.

Im Jahre 1927 wurde die Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung in Berlin gegründet. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges gab es in Deutschland 13 regionale Gesellschaften.  Nach dem Krieg wurde 1952 wurde die Bundes-Schufa e. V gegründet.  Damals mag der Grund und das Anliegen eine Berechtigung gehabt haben, aber spätestens mit der Umwandlung in eine Holding AG im Jahre 2000 wurde der Schutz zur Tücke. „Seit 2004 bietet die Schufa neben Informationen zu einzelnen Personen auch Bonitätsauskünfte über Unternehmen an, um die Geschäfte zwischen den Firmen sicherer zu machen. Im Jahr 2005 wurde das Internetportal meineSCHUFA.de veröffentlicht, damit können die eigenen Daten online eingesehen werden, welche Unternehmen Daten angefragt oder gemeldet haben“ schreibt Wikipedia.       Was hier verbraucherfreundlich klingt, ist in der Realität nur banken-, immobilien- und versicherungsgesellschaftsfreundlich.

Heute zeigen wir ein Einzelbeispiel im Interview, das in vielen Teilen symbolisch für unzählige andere Mitmenschen ist.

Im Gespräch erzählt Regina: „In meiner Schufa-Auskunft seht der Eintrag ‚Insolvenz-verfahren‘, obwohl ich aktuell keine Schulden mehr habe“. Ein solcher Eintrag wird erst 6 volle Jahre nach Ende des Verfahrens gelöscht (Anmerkung der Red.).

Sie erzählt weiter:“ Als mein Mann noch lebte (2010) wurde uns die Hypothek gekündigt, weil ich schon Rentnerin war und er es bald würde. Unser Alter wusste der ‚Verkäufer der Bank‘ aber 2004 beim Verkauf der Immobilie schon. Da war das kein Problem. Er wollte seinen Bonus kassieren, anders kann ich mir das in der Nachbetrachtung nicht erklären. Natürlich legten wir damals Widerspruch ein. Die Bank setzte mit Ihrer Macht ein Zwangsversteigerungsverfahren durch. Kurz nach dem ersten Gerichtstermin erlitt mein Mann einen Schlaganfall und verstarb wenige Wochen später. Ich war damals mit der Situation völlig überfordert – wer kann das nicht nachvollziehen?  Die Banken und Ihre Macher! Ich erkrankte nach dem Tod meines Mannes, konnte mich mit dem Problem nicht auseinandersetzen und ehe ich mich versah, war ich das Haus los, war im Krankenhaus und konnte mich nicht richtig kümmern.  Fakt ist: Die Bank hat ihr Geld bekommen und ich keine Schulden mehr, aber die Schufa Eintrage zum Schutz neuer Vermieter über mich bleibt bestehen“.

Unser Mitglied ist sozusagen obdachlos und wohnt trotz guter Witwen-+eigener Rente in einer Notunterkunft, sie bekommt einfach keine Wohnung.

Auch wir als „Sozialverband“ oder kommunale Stellen der Seniorenhilfe sind machtlos gegen diesen Wahnsinn.

Regina fühlt sich einseitig diskriminiert und sagt im Gespräch weiter: „In der EU gibt es das Schufa-Kartell nicht. In dieser Form wohl nur in Deutschland. ABER bei allen Emigranten, welche in den letzten Jahren angekommen sind, fragt kein Vermieter nach einer Schufa-Auskunft. Sie bekommen Wohnung und Möbel dazu, eben alles was man zum selbständigen Leben braucht.   NEIN ich bin nicht ausländerfeindlich, absolut nicht. Ich bin selber ein Ausländerkind oder wie es damals hieß Besatzungskind und kann mich noch sehr gut an die Diskriminierungen als (Schul)Kind erinnert.  Es hieß: „Du bist Bastard“, (Sprachgebrauch der 50er Jahre.)

Traurige Wahrheit in der Gegenwart ist es leider, dass die Macht der Schufa viele Mitmenschen diskriminiert und es ist eigentlich als Kriterium für Wohnungsvergaben überholt. Unsere Langzeitarbeitslosen und Emigranten bekommen von den Ämtern sogenannte Sicherungszusagen der Miet- und Kautionsübernahme. Vermieter verlangen hohe Kautionen zur Sicherheitseinlage oder Wohnungsgenossenschaften die sogenannten Geschäftsanteile. Beides bekommt man beim Auszug nur zurück, wenn man keinen Mitrückstand hat und die Wohnung in ordnungsgemäßem Zustand verlässt.  Aber auch für Hartz IV-Empfänger gilt, wenn sie einen Schufa-Eintrag haben, nützt auch die Sicherungszusage des Amtes nichts. Sie bekommen einfach keinen Mietvertrag, auch wenn die Schulden inzwischen längst getilgt sind.

Wir fragen offen, warum bekommt unsere Regina (als Beispiel für die vielen unbekannten Fälle) keine Wohnung? Ihre Renteneinkünfte sind doch ‚krisensicher‘ !!

Hier muss der Gesetzgeber einschreiten und die Vermieter – notfalls – zwingen, mehr individuelle Sorgfalt für die Mitbürger*innen walten zulassen.  Die soziale Schere ist schon weit genug auseinander gegangen und der soziale Unfrieden wird auch immer größer und wird durch falsche und fehlende Grundinformationen von extremen politischen Kräften ausgenutzt.

Für uns ist dies ein weiteres Versagen der regierenden Parteien der letzten 20 Jahre.

Göttingen den 25.05.2021